Nagarahole National Park

Freiluft-Zoo

Es gibt einige sogenannter "Nationalparks", die Tiger-Safaris anbieten - mit einer 110%igen Wahrscheinlichkeit, Tiger zu sehen. Der Bannerghatta National Park südlich von Bangalore ist einer davon. Sie packen die Besucher in vergitterte Busse und karren sie zu einem eingezäunten Stück Land, in dem zwanzig frustrierte Tiger herumlungern. Kinder fangen an zu kreischen, Kameras zu klicken - nach zwanzig Minuten ist die Sache erledigt. Auch wenn der Name vielleicht nicht so publikumswirksam wäre, sollte man diese Einrichtung in "Bannerghatta Freiluft-Zoo" umbenennen.

Urwald
Urwald

Nagarahole National Park

Ein Nationalpark ist nämlich etwas anderes. Der Nagarahole National Park befindet sich 100km südwestlich von Mysore und erstreckt sich über eine Fläche von fast 650qkm. Genug Platz für die wilden Tiere, in ihren natürlichen Populationsgrössen zu leben. Unter ihnen sind 60 Tiger, 80 Leoparden, 3500 Elefanten und jede Menge Tigerfutter (Sambar, Rotwild, Affen usw.).

Am Rande des Nationalparks befindet sich ein Ferienort namens Kabini River Lodges. Es handelt sich dabei mehr um eine Luxusunterkunft mit Urwaldatmosphäre. Es ist wohl kaum ein Ziel für Rucksackreisende - aber der Wochenendausflug mit Siemens war richtig nett. Die Unterbringung erfolgt entweder in kleinen Hütten am Fluss oder in grossen Wohnzelten mit gemauertem Badezimmer. Aufseher des Nationalparks unternehmen mit Touristen tägliche Dschungel-Safaris auf Jeeps. Doch wegen der riesigen Fläche ist es nahezu unmöglich, den König des Nationalparks zu erblicken, den Tiger. Sarath, "Chief Naturalist" des Parks, vertritt die Meinung, dass man es sich mit einer einzigen Safari noch nicht verdient haben kann, einen Tiger zu sehen.

In seinem 'früheren Leben' war Sarath Börsenmakler. Doch vor 15 Jahren hat er dem Stadtleben gänzlich den Rücken gekehrt - und sich als Aufseher beim Nationalpark beworben. Heute hat er ein ungeheures Wissen über die Wildnis und beantwortet geduldig die vielen (und vermutlich auch ähnlichen) Fragen der Touristen.

Da bliebe dann nur noch eine Frage: Wohin gehen Förster, um mal alles hinter sich zu lassen? (im Englischen klingt es einfach besser: "To where do forest rangers go to get away from it all?")