Jaipur

Nordindien

Der Norden Indiens unterscheidet sich vom Süden in ähnlichem Masse, wie dies in Europa der Fall ist. Südindien ist voller Tempel und grün grün grün, der Norden hügelig und karg. Natürlich gibt es bewässerte Äcker, auf denen hauptsächlich Weizen gedeiht, aber die umgebenden Hügel sind sandig und trocken.

Meistens sind diese auch befestigt, man sieht of alte Mauern und Befestigungsanlagen. Rajasthan ist das Land der alten Festungen und prunkvollen Paläste, das Land der Maharadjas, der Turbane und auch der Kamele. Viele ehemalige Paläste in Rajasthan sind inzwischen zu Luxushotels umgebaut worden. Visa preferred.

Tür im Stadtpalast
Tür im Stadtpalast

Rosarote Stadt

Jaipur wird auch die "Rosarote Stadt" genannt. "Rosa" ist wohl etwas übertrieben, schliesslich sind die einzigen wirklich rosafarbenen Objekte Jaipurs öffentliche Busse. Die Altstadt ist aus orangefarbenem Sandstein gebaut und verströmt eine Stimmung wie aus 1001 Nacht.

Der Palast der Winde (Hawa Mahal) wird von einem forschen Schild am Eingang als "world famous monument" klassifiziert. Kein Zweifel, es ist schön - nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Der Palast der Winde besteht eigentlich nur aus einer Fassade mit vielen wabenförmigen Erkern. Sinn und Zweck des Gebäudes war im wesentlichen, den Hofdamen des Maharadjas eine schöne Aussicht in die Strassen von Jaipur zu bescheren. Hinter der Fassade befinden sich einfach Treppen und mehrere Schlafgemächer.

Neben dem Palast der Winde befindet sich der Stadtpalast. Manche Flügel des Palasts werden vom Maharadja von Jaipur bewohnt. Früher haben Maharadjas weite Teile Nordindiens beherrscht. Während der britischen Kolonialherrschaft wurde ihnen ein gewisses Mass an Unabhängigkeit zugebilligt, jedoch unter der Bedingung, mit den Kolonialherren zusammenzuarbeiten. Das führte zu einem prunkvollen und verschwenderischen Lebensstil. Heutzutage haben Maharadjas nur noch repräsentative Funktion.

Andere Teile des Palasts beherbergen Museen, in denen man viele Gegenstände aus den grossen Zeiten der Maharadjas bestaunen kann: Stoffe und Kleider, prunkvolle Sänften, Schwerter mit Samtgriff und integrierter Pistole. Zwei riesige Gefässe ziehen Blicke magisch an: diese flaschenähnlichen Behälter bestehen aus reinem Silber und jedes bringt mehr als 900kg auf die Waage. Als der Maharadja 1922 nach England reise, wollte er nicht auf heiliges Wasser aus dem Ganges verzichten. Die einzige Lösung bestand wohl darin, solche Behälter zu schmieden.

Rajasthani
Rajasthani

Bollywood

Indische Kinofilme wären an sich ein eigenes Kapitel wert. Obwohl es auch richtige Kunstfilme gibt (aus Calcutta), erzählen die meisten Kinofilme doch recht einfache Geschichten. Auch wenn man kein Hindi versteht, kann man durchaus einem Grossteil der Handlung folgen.

Meistens hat sie zwei schöne Hauptdarsteller, ein Mann und eine Frau. Er verliebt sich in sie, aber ihre Eltern sind natürlich dagegen. Sobald die Eltern überzeugt sind, wird das Mädchen von bösen Männern entführt. Damit jedoch nicht genug: gemeinerweise verhindert ein korrupter Polizeibeamter eine frühes Happy-End. Dann muss der Verlobte seine Freundin auf eigene Faust befreien. Spektakuläre Schlägereien mit Bud-Spencer-Sound, Schusswechsel und Drama.

Unterbrochen wird der Plot nur durch die berühmten Tanzszenen, wenn auch nur vier bis fünf Mal pro Film. Sie geben verschiedensten Künstlern die Gelegenheit eines kulturellen Beitrags: einem Song-Schreiber, einem Sänger, und dem tanzenden Schauspieler natürlich.

Das bekannteste Kino von Jaipur, wenn nicht sogar von Rajasthan, ist das "Raj Mandir". Das Foyer ähnelt eher dem eines Theaters, die Leinwand wird durch sich öffnende und schliessende rote Vorhänge eingesäumt. Wir haben uns dort "Khauff", einen Liebes-und-Action-Thriller mit Handlung in Bombay gegeben.

Krankenhaus

Wer gleichzeitig in Jaipur und der misslichen Lage ist, dringend medizinische Hilfe bekommen zu müssen, kann sich ruhigen Gewissens in das grosse "Sawai Mansingh Hospital" südlich der "Albert Hall" begeben. Auch wenn man dort kein einziges englischsprachiges Schild sieht, gibt es Leute, die einem helfen können.

Zuerst geht man an den Informationsschalter, um herauszufinden, dass man für eine Behandlung zuerst eine Aufnahmekarte benötigt (weiss für Ausländer, rosa für Inder), abzuholen an Schalter 2 für drei Rupies. Was jetzt? Alles der Reihe nach. Zurück zum Informationsschalter, herausfinden, dass Bluttests im Raum 14 gemacht werden.

Der Raum mit dem grössten Gedrängel ist wohl Raum 14. Dort bekommt man mitgeteilt, dass man für den Bluttest eine 0.2mm Kanüle braucht. Die kann man an der Ausgabestelle für medizinische Artikel kaufen. Also durch die Gänge, bis man endlich die Ausgabestelle findet. Hat man Glück, wird man von einem der Verkäufer zur Seitentüre gewunken, um die Schlange (oder besser: die Traube) Wartender zu umgehen.

Nun zurück zu Raum 14. Der Bluttest wird gleich gemacht, mit den Ergebnissen bitte zu einem Arzt. Das grösste Gedränge herrscht natürlich um dem Tisch des besten Arztes. Nicht schüchtern sein, den Weg zum Tisch freikämpfen. Sich als Deutsche zu erkennen geben ist jetzt keine Schande. Auf die Liege, sechs hochkonzentrierte Medizinstudenten prüfen Wohlbefinden und stellen ernste Fragen.

Schliesslich kommt der Professor herüber. "Nein, keine Malaria, nur eine kräftige Mageninfektion. Nehmen Sie die Tabletten gegen das Fieber und es wird ihnen morgen abend wieder besser gehen." - "Dankeschön Herr Doktor, vielen Dank!". Das Fieber geht weg, der Magen rebelliert weiter.