Salvador

Ankunft

Die Ankunft in Salvador kann wenig vielversprechend sein - zuerst ein völlig unterkühlter Flughafen, draussen bereits dunkel, die Flughafenflächen regennass. Dann der Schritt hinaus, um den Transferbus zu suchen: die Luft stickig und schwül. Auch die Busfahrt verläuft wenig verheissungsvoll - ein junger Mann berichtet, wie er eine Viertelstunde vorher überfallen wurde. Reflexartig verstaut man seine Armbanduhr im Inneren des Rucksacks.

Dekorationen des 'Festa de São João'
Dekorationen des
"Festa de São João"

Festa de São João

Doch wie verwandelt präsentiert sich dann Salvador! Die Suche nach Unterkunft führt uns ins die Altstadt - ein Strassenfest scheint im Gange. Der warme Wind trägt Musikfetzen durch die Strassen. Je näher wir dem Spektakel kommen, desto zahlreicher werden die Menschen. Schliesslich befinden wir uns auf dem zentralen Platz vor einer Kirche, die Strassen geschmückt mit tausenden farbigen Fähnchen (banderinhas) und Lampions, die Altstadt voller Leute, Musik und Essen an allen Ecken, Bars und Restaurants mit offenen Türen und Fenstern.

Bei dem Strassenfest handelte es sich um das "Festa de São João", das jedes Jahr vom 21. bis 24. Juni gefeiert wird. Bei näherem Betrachten wird jedoch deutlich, dass nicht alles so entspannt abläuft wie der erste Eindruck vermittelt. An jeder Strassenecke stehen Polizisten, die die Sicherheit der zahlreichen Touristen (Gringos, aber auch Brasilianer) gewährleisten sollen. So wird man als Tourist den komischen Beigeschmack nicht los, das Fest nur unter Polizeischutz "geniessen" zu können.

In der Morgensonne verbreiten die geschmückten Strassen einen völlig anderen Charme. Die meisten Bewohner schlafen ihren Rausch aus, da bis in spät in die Nacht gefeiert und getrunken wurde. So ist kaum jemand auf den Beinen. Ein paar Männer kehren die Reste des Vorabends weg, andere holen Brot in der Bäckerei.

Kolonialgebäude
Kolonialgebäude

Weltkulturerbe

Die Altstadt von Salvador gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Seit Ende der 80er Jahre wurden mehr als 850 Kolonialhäuser restauriert. Sie strahlen nun wieder in ihren vielfältigen Originalfarben (rosa, hellblau, hellgelb, hellgrün) mit leuchtend weissen Fensterstöcken und gemusterten Keramikkacheln an der Fasade. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass die Kolonialherren die Schönheit ihrer Häuser oft nur der Arbeitskraft der Sklaven verdankten.

Historisch belastet ist auch der bekannte Platz "Pelourinho" - einst wurden dort Sklaven öffentlich ausgepeitscht. Heute erinnert nur eine kleine Gedenktafel an jenes dunkle Kapitel, stattdessen ist der zugegeben malerische Platz, an der Kirche "Nossa Senhora do Rósario dos Pretos" gelegen, auf jeder Postkarte zu finden.

Ausserhalb der restaurierten Altstadt liegen ganze Strassenzüge brach. Unzählige Häuser harren Schaufel und Farbpinsel. Man spürt den eigenartigen Charme des Maroden, kleine Bäumchen wachsen aus Dächern, manche Fenster sind mit Brettern vernagelt, an den Hauswänden verblichene Plakate, die schmiedeeisernen Gitter an Fenstern und Türen verrostet, die Wandfliessen zum Teil abgefallen. Man ahnt jedoch Reichtum und Schönheit des alten Salvador.

Bahia

Salvador ist die Hauptstadt des Bundesstaates Bahia (BA). Mit zwei Millionen Einwohnern zählt Salvador zu den grossen Städten Brasiliens. Auch die örtliche Universität ist bekannt. Die Baianos, wie die Menschen in Bahia bezeichnet werden, sind überwiegend afrikanischer Herkunft. Zu Kolonialzeiten wurden auf portugiesischen Schiffen unzählige Afrikaner als Sklaven in die neue Welt geschafft.

So mischten sich zwangsläufig die religiösen Wurzeln aus Afrika mit dem Christentum. Eine dieser eigenartigen Mischreligionen ist "Candomblé" - sie ersetzt christliche Heilige durch Figuren der afrikanischen Religionen.

Capoeira

Allgegenwärtig ist auch "Capoeira", eine Mischung aus Kampfsport und Tanz. Die Kämpfer/Tänzer tragen weisse Leinenhosen und lassen den Oberkörper frei. Begleitet werden die Übungen von einem Berimbau, ein für Bahia typisches Saiteninstrument. Dieser Sport ist sehr populär, an Stränden sieht man stets kleinere Gruppen von athletischen Schwarzen, die der Reihe nach artistische Übungen vorführen.