Rio de Janeiro

Zuckerhut

Wow, das ist also Brasilien. Südamerika! Dieser märchenhafte Ausblick entlohnt wahrlich für die Anreise um den halben Globus. Der Blick auf die Bucht von Rio und den Zuckerhut ist zweifellos der bekannteste Brasiliens - und daher schlicht das Paradefoto eines jeden Trophäenalbums. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass einem trotz des angenehm warmen Winds auf der Anhöhe erstmal der Atem wegbleibt.

Zuckerhut
Zuckerhut

Carioca und Malandro

Die Einwohner von Rio werden "Carioca" genannt. Oftmals wird ihnen ein sehr entspannter (um nicht zu sagen: disziplinferner) Lebesstil nachgesagt - im Zusammenspiel mit Einfaltsreichtum und Gewitztheit. Dies jedenfalls ist die stereotype Sichtweise der tendenziell eher fleissigen "Paulistanos", der Einwohner São Paulos. Aber wie soll man denn auch an Büroarbeit denken, wenn die Freunde schon längst am Strand Beachsoccer spielen...

Eine spezielle Ausprägung dieses Lebensstils ist ein "malandro": ein Mann, oft ohne gute Schulbildung, in chronischer Geldnot (hauptsächlich wegen Glücksspiels), dennoch stets in weissem Anzug mit Hut, redegewandt und Frauenschwarm, Nachtlicht und bekannt in allen Bars... In Jorge Amados Roman "Dona Flor e Seus Dois Maridos" (Dona Flor und Ihre Zwei Ehemänner, wurde 1977 verfilmt) verkörpert Vadinho einen typischen malandro. Mittlerweile sind weisse Anzüge selten geworden - keineswegs jedoch die Spezies "malandro".

Karneval

Karneval bedeutet in Brasilien in erster Linie ein Megachaos mit elektrisierenden Rhythmen, prachtvoll geschmückten Tanzwagen, Trillerpfeifen, tanzenden und trinkenden Menschenmassen.

Für mehr gesittete Faschingsfreunde gibt es stadionähnliche Tribünen ("Sambódromo" = Samba-Drom) an denen sich der nicht endende Strom von Wagen, Musik und Tänzern vorbeischiebt. So genannte Tanzschulen bereiten sich das ganze Jahr lang auf den Umzug vor. Sie schreiben neue Musikstücke, nähen an Kostümen, basteln die Wagen-Dekorationen. Oft stammen die Tanzschulen aus armen Stadtvierteln - um so aufwendiger sind jedoch die oft recht schmalen Kleidchen der Tänzerinnen verziert.

Am Aschermittwoch herrscht dann Katerstimmung: Ringe um die Augen, Rückkehr zum Alltag - und unter (anderen) Umständen neun Monate später das Ende der Tanzstunde.

Maracanã-Stadion

Das ehemals grösste Fussballstadion der Welt, das nach dem gleichnamigen Stadtteil benannt ist, wurde zur Fussball-Weltmeisterschaft 1950 erbaut. Zu dieser Zeit bot es bis zu 200.000 Zuschauern Stehplätze, inzwischen sind diese jedoch in 70.000 Sitzplätze umgewandelt.

Das Stadion erlebte zahlreiche Endspiele, das denkwürdigste war sicherlich das Weltmeisterschaftsfinale 1950, in dem Brasilien als Gastgeber gegen das überraschend starke Team aus Uruguay 1:2 verlor.

Im Eingangsbereich befindet sich heute ein kleines Fussball-Museum mit allerlei Kleinoden: Fotos der grossen Weltmeistermannschaften, vergoldete Stollenschuhe und Pokalnachbildungen. Und nicht zu vergessen: Fussabdrücke der grössten Helden Brasiliens (Zizinho, Pelé, Sokrates, Zico, Careca, Taffarel, Valdo, ...).

Maracanã Stadion
Maracanã Stadion

Kriminalität

In jüngster Zeit häufen sich Berichte über ausufernde Gewalt und Kriminalität in brasilianischen Grossstädten, insbesondere Rio de Janeiro. Drogenhändler und andere Kriminelle haben die unüberschaubaren Armutsgebiete (favelas) in "no-go-areas" verwandelt, die selbst von Polizeibeamten gemieden werden. Informanten und neugierige Journalisten müssen um ihr Leben bangen, und nicht selten auch damit bezahlen. Razzien und grossangelegte Polizeiaktionen erinnern an den Kampf der italientischen Polizei gegen die Mafia. Dabei sitzen die eigentlichen Drahtzieher oft bereits hinter Gittern, von wo aus sie per Mobiltelefon Ihre Geschäfte lenken.

Schlimm ist auch die Alltagskriminalität. Ein simples Beispiel dafür sind Gruppen von Strassenkindern, die sich aus allen Richtungen zusammenrotten sobald ein "gringo" gesichtet wird. So geschehen am (nebenbei bemerkt völlig überbewertetem) Strand Copacabana - als uns in einem kleinen Strandrestaurant buchstäblich der Fisch vom Teller geklaut wurde. Dabei handelt es sich noch um eine harmlose Situation. Andernorts werden Anfragen nach Wertgegenständen schon mal mit abgeschlagenen Flaschenhälsen oder scharfen Messern Nachdruck verliehen.

Vor diesem Hintergrund mögen die vollmundigen Behauptungen mancher europäischer Praktikanten betrachtet werden, während ihres Aufenthaltes in Rio "keinerlei Probleme" gehabt zu haben. Wer's glaubt wird selig. Wer im Fernsehen Namen verrät auch.