Paraty

Detail der Fasade eines Kolonialhauses
Detail der Fasade eines Kolonialhauses

Küstenregion Rio-Santos

Das kleine Küstenstädtchen Paraty liegt etwa auf halber Strecke zwischen Rio de Janeiro und São Paulo. Diese Region wird Rio-Santos genannt (zwischen Rio und Santos). Paraty ist per Reisebus von São Paulo aus in sechs Stunden erreichbar. Dieser hält in den beliebten Badeorten, die auf dem Weg dorthin liegen (Ubatuba, São Sebastião).

Es kann durchaus vorkommen, dass Soldaten in blütenweissen Marine-Uniformen in den sonntäglichen Nachtbus nach Paraty zusteigen, um den Dienst am frühen Montag morgen auf ihrem Stützpunkt anzutreten.

Wichtigster Umschlagspunkt

In Paraty ist die Atmosphäre der kolonialen Vergangenheit zu jedem Zeitpunkt spürbar. An die kriegerischen Kolonialzeiten erinnern ehemalige Küstenbefestigungen. Paraty liegt in einer grossen ruhigen Bucht, von hohen Küstenbergen eingefasst. Sieben Festungen schützten Paraty als wichtigste Hafenstadt und Warenumschlagspunkt der portugiesischen Kolonie.

Historische Altstadt

Die historische Altstadt besteht aus strahlend weissen portugiesischen Händlerhäusern mit schlichten, schönen Mustern und farbigen Fenster- und Türrahmen verziert. Sie beherbergen heutzutage Künstlerateliers, Pousadas (Pensionen), Restaurants oder Bars. Buchstäblich jeder Stein ist historisch : die grossen gerunden Steine, mit denen die engen Strassen gepflastert sind, stammen aus Portugal. Die aus der Alten Welt ankommenden portugiesischen Segelschiffe trugen als Ballast jene Steine in ihren Bäuchen. Nachdem die Segelschiffe mit den abzutransportierenden Reichtümern beladen waren, wurden die Steine kurzerhand als Strassenbaumaterial verwendet.

Strasse in der Altstadt
Strasse in der Altstadt

Im Gegensatz zu grossen Städten wie Rio, São Paulo oder Salvador, herrscht in Paraty eine natürlich ruhige und friedliche Atmosphäre. Trotz zahlreicher Touristen ist von Kriminalität nichts zu spüren.

Pfad des Goldes

Eine kleine Ausstellung befasst sich mit der Rolle Paratys als eben erwähnter Umschlagspunkt für koloniale Reichtümer. Mit Beginn des Goldrauschs im Landesinneren (hauptsächlich in Minas Gerais) erlangte Paraty Souveränität und war fortan nicht mehr dem Verwalter von Rio de Janeiro unterstellt. Zunächst stellte der Transport des im Landesinneren gewonnenen Goldes an die Küste ein enormes Problem dar. Mit Hilfe von Tausenden afrikanischen Sklaven wurde in härtester Arbeit ein Pfad bis ins 300km entfernt gelegene Ouro Preto (MG) angelegt. Auf diesem wurden die Schätze auf Maultieren nach Paraty gebracht. Diese Epoche ist als "erster Zyklus" oder "Zyklus des Goldes" bekannt.

Der anschliessende "zweiten Zyklus" oder "Zyklus des Tabak" fällt mit der Besiedelung und landwirtschaftlichen Nutzung des Hinterlandes zusammen. Nach Rodungen entstanden zahlreiche Fazendas (Grossfarmen), die auf fruchtbarem Boden und unter der heissen Sonne enorme Tabakfelder anlegen liessen. Mit den erwirtschaftenen Geldern kauften die Gutsherren teure Luxusgüter in der Alten Welt ein. So bewegten sich auf dem ehemaligen Pfad des Goldes die Reichtümer in umgekehrter Richtung : so wurden mit grösster Anstrengung sogar französische Klaviere über die steilen und dicht bewachsenen Küstenfelsen gezerrt.

Mit dem offiziellen Ende der Sklaverei entfielen die billigen Arbeitskräfte zum mühsamen Unterhalt des Weges. Die letzte historische Bedeutung kam dem Pfad zu, als in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Strasse teilweise auf seinen Spuren gebaut wurde.

In jüngster Vergangenheit wurde der originale Verlauf des Weges nachgezogen, so dass dieser von Touristen zu Fuss im Stile einer langen Wanderung zurückgelegt werden kann. Ohne französische Klaviere.

Bootsfahrt

Nahezu jeder Besucher von Paraty wird wohl eine Bootsfahrt zu den zahlreichen Inseln der Bucht unternommen haben. Am Steg liegen einige Schiffe, von kleinen Booten bis hin zu Jachten, die 20 Leute aufnehmen können. Es ist sicherlich unterhaltsamer und lebendiger, einen solchen Ausflug auf einem grösseren Boot zu unternehmen. Im Laufe des Tages hält das Boot an verschiedenen Inseln an, die in tiefblauem oder smaragdgrünen Wasser liegen. Es bleibt genug Zeit, um ausgiebig im warmen Meer zu Baden und Fischschwärmen zuzusehen. Natürlich müssen diese erst durch ein paar Happen Fischfutter angelockt werden.

Bootsfahrt in der Bucht
Bootsfahrt in der Bucht

Nach der Mittagspause an einer kleinen Strand-Bar mit frittiertem Manjok und kühlem Bier konnte man sogar noch in eine nahegelegene kleine Grotte in den Uferfelsen kraxeln. Innen in hüfttiefem Wasser, weichem Sandboden und ganz oben nur ein kleines Loch durch das ein wenig Licht fiel.