Curitiba

Lebensqualität und Umweltschutz

Curitiba, die Hauptstadt des Bundesstaates Paraná (PA) im Süden Brasiliens, gilt als die am besten entwickeltste Stadt des Landes. Dank des moderaten Klimas (mild im Winter, frisch im Sommer) und des ausgeprägten Umweltbewusstseins bietet Curitiba eine hohe Lebensqualität.

Ökologisches Handlesen
Ökologisches Handlesen

Umweltschutz wird in der Tat gross geschrieben. Dies zeigt sich konkret angesichts der öffentlichen Mülleimer. Diese verfügen jeweils über vier Behälter: Glas, Papier, organische Abfälle und Restmüll. An der Universität werden zudem zahlreiche umweltorientierte Studiengäge angeboten.

Ein anderes Beispiel ist ein Plakat im Botanischen Garten. Es zeigt vier Handflächen, aus denen gelesen wird. Zuerst das Blatt "Ich sehe eine Motorsäge in Deiner Zukunft...", dann die Hand eines Äffchens "In deiner Zukunft sehe ich einen Käfig in der Stadt...", dann das pelzige Pfötchen "In Deiner Zukunft sehe ich einen Pelzmantel..." - und schliesslich die Menschenhand "Wenn Du so weitermachst wie bisher, sehe ich keine sehr gute Zukunft für Dich."

Einwanderer aus Mitteleuropa

In Curitiba gibt es grosse Gemeinschaften von Einwanderern aus Zentraleuropa. Der Landstrich im klimatisch gemässigten Süden Brasiliens zog vor allem Einwanderer aus Polen an. Zahlreich vertreten sind zudem deutsche, italienische und auch ukrainische Familien.

Gewächshaus im Botanischen Garten
Gewächshaus im Botanischen Garten

Jede grössere Einwanderergruppe hat heute ein wie auch immer geartetes Wahrzeichen: der deutsche Gebrüder-Grimm-Park, die grosse, aus Holz gebaute Ukrainische Kirche, die als "Polnische Mutter" betitelte Statue - oder das italienische Viertel "Santa Felicidade". Dieses geht mit Vorschusslorbeeren von wegen italienischer Atmosphäre ins touristische Rennen, wenn man jedoch schon einmal in Italien war, kann man dies getrost vergessen.

Im Alltagsleben und in der Lebensart der Stadt sind ihre zentraleuropäischen Wurzeln nicht zu übersehen. Die Strassen sind in ausgezeichnetem Zustand, sauber und übersichtlich ausgeschildert. Curitiba könnte ohne weiteres in Deutschland liegen - wenn es denn in Deutschland Skol-Bier gäbe...

A propos Deutschland: eines Abends wollten wir doch mal sehen, wie man in einem guten deutschen Restaurant isst. Wie zuhause, ehrlich! Die gefüllte Ente mit Blaukraut im "Schwarzwald - Bar do Alemão" war echt - nur mit den "grossen" Bierkrügen (0,3 l) haperte es noch.

Kaum Touristische Highlights

Touristisch gesehen reisst einen Curitiba nicht vom Hocker - selbst wenn einem die Kommunalverwaltung anderes glauben machen möchte. Die eintägige Stadtrundfahrt klappert die unzähligen Parks der Stadt ab, zudem das eigenartige Operngestänge der "Ôpera de Arame". Ob es die moderne Eisenkonstruktion hinsichtlich Akkustik mit klassischen Opernsälen aufnehmen kann sei jedoch dahingestellt.

Ôpera de Arame
Ôpera de Arame

Als weiteres sogenanntes touristisches Highlight wird der Botanische Garten angeführt. Sicherlich, er ist sehr gepflegt - aber verglichen mit der Pflanzenpracht von Iguaçu wirkt dieser blass und künstlich.

So gesehen bietet sich Curitiba eher für einen kurzen Aufenthalt auf der Durchreise an. Die Restaurants sind preiswert und gut, aber das ist auch schon alles. Ansonsten liegt Curitiba günstig für Fahrten nach São Paulo, Iguaçu, oder weiter 'gen Süden nach Florianopolis.

Serra Verde Express

Ein kurzes Wort noch zum "Serra Verde Express", dem Express der grünen Landschaft. Dieser touristische Zug verbindet Curitiba mit Morretes, ein kleines Städtchen in den grünen Bergen. Die Fahrt dauert drei Stunden, ist jedoch sehr teuer. Besonders wenn man am Morgen ohne Reservierung am Bahnhof auftaucht und leider ganz zufällig nur noch in der teuren Klasse was frei ist. So ist der konventionnelle Reisebus eine Alternative, der einen für einen Bruchteil des Preises schneller durch die grünen Berge, und sogar weiter bis ans Meer bringt.